Region 02/2016

Zu Gast in Homberg (Ohm)

Fachwerk-Idylle und Industrie-Standort

Homberg an der Ohm ist ein geschichtsträchtiges Städtchen mit ländlich geprägten Ortsteilen am Rande des Vogelsbergs. Der Ort ist gar nicht so abgelegen, wie es auf den ersten Blick scheint: Die Universitätsstädte Marburg und Gießen sind nur etwa eine halbe Stunde entfernt.

Der Terminkalender lässt dem Homberger Bürgermeister Prof. Béla Dören wenig Muße für sein Hobby, ausgiebig zu kochen. Anlässlich dieses Berichts über seine Stadt hat er sich die Zeit genommen. Dabei stand für den Gastgeber fest, dass das Hauptgericht eine ungarische Komponente haben sollte. Denn Prof. Dören wurde in Ungarn geboren und kam erst mit sechs Jahren nach Deutschland – als Flüchtling. Wie viele ihrer Landsleute flohen seine Eltern über Österreich in den Westen, als es in Ungarn 1956 zu einem Volksaufstand gegen die Sowjets kam. Der Vater, ein Staatssekretär im Bauministerium, musste als Regierungsmitglied um die Sicherheit seiner Familie fürchten.

Prof. Dören hat nahezu sein ganzes Leben in Deutschland verbracht und beruflich Führungsaufgaben in den Bereichen Bauwesen, Stadterneuerung und Umweltschutz bekleidet, u. a. in Chemnitz und Köln. Aus seinem „Siebenbürger Kraut“ spricht aber die Liebe zu seiner alten Heimat Ungarn. „Dieser leckere Auflauf aus geschichtetem Sauerkraut, Reis, Fleisch und Wurst ist ein Multikulti-Gericht“, erläutert der Gastgeber. „Das Sauerkraut haben im 15. Jahrhundert deutsche Einwanderer ins damals kaum besiedelte Siebenbürgen gebracht. Gulasch und die ebenfalls verwendete Kolbasz-Wurst sind ur-ungarisch. Und als Sahnehäubchen kommt noch eine Mischung aus saurer Sahne und Schmand hinzu, wie es die Türken lieben, die in Ungarn ebenfalls ihre Spuren hinterließen.“

Ab Juli werden Prof. Dören und seine Frau deutlich mehr Zeit zum Kochen und Reisen haben. Dann nämlich geht der Bürgermeister in den Ruhestand. Zur Nachfolgerin wurde im März Claudia Blum gewählt. Sie teilt die Begeisterung ihres Vorgängers für die traditionsreiche Stadt und das Umland und freut sich auf ihr neues Amt.

HOMBERG (OHM) AUF EINEN BLICK:

Einwohner:

ca. 7.500, verteilt auf den Kernort und 13 angegliederte Stadtteile

Geschichte:

Die erste überlieferte urkundliche Erwähnung des Ortes Homberg stammt aus dem Jahr 1065, als König Heinrich IV. dem Kloster Hersfeld zehn Bauernstellen in „Hohunburch“ überließ. In einer Schenkungsurkunde von 1146 übergab König Konrad III. die Hälfte seines Königgutes in Homberg an das Kloster Hersfeld, nahm allerdings den „Berg“, auf dem heute das Schloss steht, von dieser Schenkung aus.

Infrastruktur:

Die Wirtschaftsleistung basiert auf einem Mix aus mittelständischen Betrieben, Dienstleistern, Forschung und Industrie. Größter Arbeitgeber ist die KAMAX Holding, ein weltweit ausgerichteter Zulieferer der Automobilindustrie (in Homberg Produktion plus Forschung und Entwicklung). Das Forschungszentrum FNU kooperiert mit renommierten Universitäten und Laboren. Hier ist eine Plattform für Feldforschung und Ausbildung mit den Schwerpunkten Landwirtschaft, Umweltund Verbraucherschutz entstanden. Im Umfeld der Ortsteile gibt es weiterhin etliche landwirtschaftliche Betriebe im Voll- und Teilerwerb.

 

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