Region 01/2016

Zu Gast in Flieden

Kommune mit Krone

Die Gemeinde Flieden ist weit über ihre Grenzen hinaus als „Königreich“ bekannt. Dieser Beiname mag zwar augenzwinkernd gemeint sein, dennoch haben frühere Gemeindeväter eine Krone in das Wappen
aufgenommen. Bis heute kündet es vom Lokalstolz der Fliedener.

Ältere Leser werden sich daran erinnern, dass auf dem Lande früher Hausschlachtungen verbreitet waren. Ein Metzger schlachtete das selbst gezogene Schwein und verarbeitete das Fleisch, so wie die Hausherren es wollten. Das war viel Arbeit, aber auch ein Höhepunkt im Jahreslauf – und nicht zuletzt ein Festessen mit Spezialitäten wie Wellfleisch, Wellwurst und Blutwurst. Die Zeit der Hausschlachtungen ist lange her. Doch oft kann man beim Metzger noch die typischen Würste bekommen. Da unser Gastgeber, der Fliedener Ehrenbürger Robert Müller, pensionierter Metzgermeister ist, überrascht es nicht, dass seine Frau und er ein abgewandeltes Schlachtessen auf den Tisch bringen. „Gerade ältere Leute verbinden mit Wellwürstchen und Rotwurst nostalgische Erinnerungen“, schmunzelt Robert Müller. „Mit Kartoffelstampf und Sauerkraut ist das ein typisches ländliches Essen mit langer Tradition. Früher hatten ja viele eigene Kartoffeln und auch Sauerkraut im Fass.“

Robert Müller ist 88 Jahre alt und ein „Urfliedener“, wie er betont. Schon sein Vater war Metzger und Gastwirt. Nach der Lehre in Fulda stieg Robert Müller in den elterlichen Betrieb ein, der sich nach dem Krieg zu einem großen Unternehmen mit zahlreichen Filialen entwickelte. Seine Frau Renate stammt aus Frankfurt. Sie ist gelernte Fremdsprachenkorrespondentin und hat Jahrzehnte lang in der Verwaltung des Familienbetriebs mitgearbeitet. Heute erfreut sich das Paar an acht Enkeln und sechs Urenkeln. Die Firma führen nun ein Sohn und ein Enkel. Beide Müllers haben immer gern gegessen. „Einfach und rustikal darf es sein, doch die Qualität muss stimmen.“ Deshalb ist auch das Sauerkraut selbst gemacht und es gibt „Kartoffelstampf“ statt angerührtem Püree aus der Tüte. Den Abschluss bilden Apfelpfannkuchen nach Großmutterart. „Das passt“, sagt Frau Müller und reicht den Zimt herüber.
 

FLIEDEN AUF EINEN BLICK:

Einwohner:

ca. 8.700

Geschichte:

Die erste urkundliche Erwähnung fällt 806 im Kontext einer Schenkung an das Kloster Fulda. Im Hochmittelalter war Flieden Verwaltungs- und Gerichtssitz, erfreute sich bereits erster Stadt- und
Bürgerrechte und übernahm auch kirchlich eine Zentralfunktion. Sehr bedeutsam für Flieden war die Lage an der Handelsstraße Frankfurt-Fulda-Leipzig. 1867 wurde die Gemeinde an die Eisenbahn angeschlossen, was sich als wichtiger Impuls für die wirtschaftliche Entwicklung erwies und Pendlern die Möglichkeit eröffnete, in Frankfurt zu arbeiten. Nach dem Zweiten Weltkrieg fanden über 1.000 Flüchtlinge in Flieden eine neue Heimat.

Ortsteile:

Flieden, Buchenrod, Döngesmühle, Höf und Haid, Magdlos, Rückers, Schweben, Stork, Struth

Infrastruktur:

Die solide Wirtschaftsstruktur ist von mittelständischen Unternehmen geprägt. Das Spektrum reicht vom traditionellen Handwerk über den Einzelhandel bis zum produzierenden Gewerbe. Logistik und Großhandel profitieren von der günstigen Lage mitten in Europa und der guten Verkehrsanbindung. Insofern war der Anschluss an die A 66 (2007) ein Meilenstein. 

www.flieden.de

Diese Seite drucken

Diesen Beitrag teilen: