Region 03/2016

Artenvielfalt als Erlebnis

25 Jahre UNESCO-Biosphärenreservat

Mit ihrem hohen Anteil an Wiesen und unbewaldeten Kuppen hat die Rhön unter den deutschen Mittelgebirgen eine besondere Stellung. Genau deshalb wurde das „Land der offenen Fernen“ 1991 von der UNESCO zum Biosphärenreservat erklärt. Die anfängliche Skepsis der Menschen in der Region ist inzwischen hoher Akzeptanz gewichen.

In den Anfangsjahren befürchteten viele Rhöner, sie müssten fortan „wie die Indianer in einem Reservat“ leben, sozusagen unter einer großen Käseglocke. Doch wie sich heute zeigt, war diese Angst unbegründet. Ohnehin hat ein Biosphärenreservat einen ganz anderen Schutzstatus als etwa ein Nationalpark. Es wird nicht die Wildnis über alles gestellt, sondern es geht um den Einklang von Mensch und Natur. „Man and the Biosphere“ (MAB) heißt das Programm. Torsten Raab, Leiter der Hessischen Verwaltungsstelle mit Sitz auf der Wasserkuppe, erläutert, was es damit auf sich hat: „Früher hielt man Ökonomie und Ökologie oft für unvereinbar. Die UNESCO will am Beispiel ausgewählter Regionen auf allen Kontinenten das Gegenteil beweisen und zeigen, dass sich eine Kulturlandschaft wie die Rhön bei umsichtiger Nutzung langfristig sehr wohl bewahren lässt und sich dabei dennoch wirtschaftlich entwickeln kann.“ Dazu ist die Rhön in verschiedene Bereiche eingeteilt: In den „Entwicklungszonen“ (Siedlungen und Gewerbeflächen, Tourismus usw.) können die Menschen wohnen und arbeiten. „Pflegezonen“ sind Übergangsbereiche mit behutsamer (extensiver) Landnutzung. Und gerade einmal drei Prozent der Gesamtfläche entfallen auf die „Kernzonen“, in denen man die Natur sich selbst überlässt.

Immer einen Ausflug wert

Viele Bewohner und Besucher wissen wenig über die in der Rhön verfolgten Ziele, profitieren aber von den Ergebnissen. Wanderer und Ausdauersportler freuen sich an der Pracht der bunten Blumen auf den Magerrasen, darunter zahlreiche seltene Orchideen. Sie naschen vom Obst der Streuobstwiesen. Sie werden begleitet vom Plätschern der ungewöhnlich vielen klaren Quellen und Bäche. Sie sind fasziniert vom eleganten Flug der Rotmilane, hören den Gesang der Lerchen und das Krächzen der Rabenvögel und sie staunen, dass in der Rhön wieder jede Menge Wildkatzen leben und erste Luchse zurückgekehrt sind.

„Diese faszinierende Artenvielfalt findet man in der Rhön noch verhältnismäßig oft“, unterstreicht Torsten Raab. „Die Rhön ist seit Langem auch ein beliebtes Ausflugs- und Urlaubsziel und soll es auch bleiben. Wir setzen allerdings auf sanften Tourismus.“ Wandern, Wintersport, Segelflug, Fahrradfahren – fast alles ist möglich, so Raab, aber eben nicht überall. „Weil wir hier geschickt lenken, kommen sowohl die Menschen, als auch Pflanzen und Tiere zu ihrem Recht. Das ist unser Erfolgsgeheimnis.“

 

Längst gilt das UNESCO-Biosphärenreservat Rhön unter den Fachleuten als Modell für nachhaltiges Leben und Handeln. Delegationen aus aller Welt kommen in das Mittelgebirge, um sich ein eigenes Bild zu machen. Viele dieser Besucher interessiert auch die Arbeit in der Umweltbildung. Da reicht in der Rhön das Spektrum von geführten Wanderungen, Ausstellungen und kulinarischen Events mit heimischen Spezialitäten bis hin zu Seminaren und Workshops. Torsten Raab bringt es auf den Punkt: „Nur was man kennt, kann man auch schätzen und will man schützen.“

FAKTEN UND ZAHLEN:

  • Anerkennung durch die UNESCO: 6. März 1991
  • Gesamtgröße: 2.433 km2, verteilt über die Bundesländer Bayern (53 % der Fläche), Hessen (27 %) und Thüringen (20 %) Größenvergleich: Saarland 2.569 km2
  • Einwohner: 225.000 
  • Landnutzung: 42 % Wald, 29 % Wiesen und Weiden, 18 % Ackerflächen, 7 % Siedlungs- und Gewerbeflächen, 4 % Sonstiges 
  • Landkreise: Bad Kissingen, Rhön-Grabfeld, Fulda, Hersfeld- Rotenburg, Schmalkalden-Meiningen, Wartburgkreis
  • Vier Hauptziele: (1) Schutz der Artenvielfalt, (2) nachhaltige Regionalentwicklung, (3) Umweltbildung/Bildung für nachhaltige Entwicklung, (4) Forschung und Monitoring
  • Die UNESCO ist die Organisation der Vereinten Nationen für Bildung, Wissenschaft und Kultur. In Deutschland gibt es 15 UNESCO-Biosphärenreservate

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