Kundenporträt 01/2016

Mit kleinen Komponenten ganz gross

Vesteckte Wertarbeit

Messen, regeln, analysieren: Für ihre Gründlichkeit sind Deutsche bekannt – alles muss präzise erfasst und analysiert werden. „Pi mal Daumen“ gehört einfach nicht zu ihren Tugenden. Und genau das ist einer der Gründe für JUMOs internationale Erfolgsgeschichte. Denn es gibt nur wenige Mitbewerber, die ein so umfangreiches Angebot an dafür passender Mess- und Regeltechnik anbieten können wie das Fuldaer Unternehmen.

Aus der Not heraus verließ Firmengründer Moritz Kurt Juchheim das thüringische Ilmenau 1948, kurz vor Gründung der damaligen DDR, mit sechs Mitarbeitern. Weit musste er nicht reisen: Der Sohn eines Thermometer- Fabrikanten ließ sich mit seinen Angestellten in Fulda nieder und fing noch einmal ganz von vorne an. Mit Fleiß und dem Gespür für künftige Trends und Nachfragen entwickelte er die Glas- und Glaskontakt-Thermometer weiter. Bereits 1960 produzierte er auf 12.000 Quadratmetern und mit 750 Mitarbeitern. Seit damals hat sich viel im familiengeführten Unternehmen getan: In mittlerweile dritter Generation fertigt JUMO mit 2.200 Mitarbeitern auf der ganzen Welt Widerstandsthermometer, Druckmessformer, Kompaktregler bis hin zu Automatisierungslösungen. Allen Produkten gemeinsam: Oft winzig klein und unauffällig messen, analysieren, regeln und überwachen sie Temperaturen, Flüssigkeiten, Feuchte, Füllstände, Druck und Durchflüsse. Wie wichtig diese „unsichtbaren Helfer“ sind, merkt man erst, wenn sie nicht funktionieren.

SZENARIO: EIN TAG „OHNE“

Denn dann geschieht Folgendes: Die Wohnung bleibt eiskalt, weil ein winziger Temperaturfühler in einer Heizungsanlage nicht eingebaut wurde. Auf den morgendlichen Kaffee muss verzichtet werden: Fehlende Füllstandsanzeiger konnten die Wasserwerke nicht rechtzeitig warnen, dass der Wasserstandpegel in ihren Speichern gefährlich tief gesunken ist. Aber Kaffee lässt sich zur Not auch mit Mineralwasser kochen. Doch Fehlanzeige: Viele Sensoren überwachen normalerweise während der Produktion und Abfüllung die Qualität, die Temperatur und den Füllstand. Sind sie nicht da, kann selbst in Handarbeit kein Mineralwasser das Werk verlassen. Zusätzlich fehlen die Flaschen, denn: Nur wenn mit richtigem Druck und in der richtigen Temperatur das Plastik in Form gebracht wird, entstehen nutz- und belastbare Trinkflaschen. Wer mit dem Zug zur Arbeit pendeln muss, wird auch hier die Produkte von JUMO schmerzlich vermissen. Temperatursensoren sorgen dafür, dass die Räder der Waggons nicht überhitzen. Auch an vielen anderen sensiblen Bereichen eines Zuges garantieren Kompressoren, Weichenheizer, Leistungsüberträger und vieles mehr einen reibungslosen Betrieb. Damit sie gut funktionieren, messen, analysieren und steuern winzige Sensoren die sensible Technik. Wer es ohne Dusche, Kaffee oder Zug tatsächlich zur Arbeit und wieder nach Hause geschafft hat, hat spätestens jetzt schlechte Laune und Kopfschmerzen. Ein Riegel Schokolade als Stimmungsaufheller und eine Aspirin könnten helfen. Doch weder die Lebensmittel- noch die Pharmaindustrie dürfen und können ohne präzise Einhaltung von Grenzwerten arbeiten. Tatsächlich gibt es kaum einen produzierenden oder weiterverarbeitenden Industriezweig, der gänzlich ohne permanentes Messen, Analysieren, Regeln oder Überwachen auskommt.

ERFOLG LIEGT IM DETAIL

Michael Juchheim ist sich dieser vitalen Funktion bewusst: „Das stimmt. Unsere Produkte sind selten sichtbar, aber enorm wirksam und vielfältig.“ Er leitet gemeinsam mit seinem Vater Bernhard die Geschicke der jetzigen JUMO. Durch eine überdurchschnittliche Fertigungstiefe und einen hohen Innovationsgrad konnte sich das Familienunternehmen auch auf dem internationalen Markt behaupten. Nach Möglichkeit wird alles im Unternehmen selbst produziert. „So reagieren wir schnell und flexibel auf Kundenwünsche. Auch können wir damit die Qualität der Produkte bis ins Detail garantieren – damit das hier beschriebene Szenario nie eintrifft“, beschreibt Michael Juchheim die Firmenstrategie. Trotz weltweiter Niederlassungen will die Familie mit ihrem Unternehmen Fulda treu bleiben, auch wenn Platzprobleme drohen: „Mit allein sechs Millionen Temperaturfühlern, die wir jährlich produzieren, stoßen wir an unsere Grenzen.“ Abhilfe soll ein neues Werk für 600 Angestellte in Fulda schaffen. Trotz einer Verschiebung der Planung aufgrund der aktuellen konjunkturellen Lage ist die Geschäftsführung vom Bauprojekt überzeugt: „Es ist die größte Investition in der fast 70-jährigen Firmengeschichte. Es ist unser Bekenntnis zu der Region und ihren Menschen. Nur dank unserer Mitarbeiter sind wir heute so erfolgreich.“

JUMO BEIM CHALLENGE-LAUF

Das Unternehmen legt großen Wert auf zufriedene und gesunde Mitarbeiter. Das Gesundheitsmanagement JUMOfit wurde sogar von der Techniker Krankenkasse ausgezeichnet. Bei so viel Betriebssport wundert es keinen, dass die Mitarbeiter auch beim Challenge-Lauf die Nase vorn haben: Seit 2005 nehmen sie jedes Jahr mit mehr als 100 Läuferinnen und Läufern teil. Auch in diesem Jahr werden sie versuchen, das größte Team beim RhönEnergie-Challenge-Lauf zu stellen.

www.jumo.de

 

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