Energie und Umwelt 01/2017

Die Kraft des Wassers

Ein aktiver Beitrag zur Energiewende

Strömendes und vor allem fallendes Wasser hat viel Energie. Diese Kraft nutzen die Menschen schon lange – erst für Mühlen und heutzutage vor allem zur Erzeugung von sauberem Strom. Doch jenseits der Physik entfaltet Wasser auch indirekt Kraft, indem es uns Ruhe und Entspannung schenkt.

Vom Wasserrad zur Hochleistungsturbine

Seit Tausenden von Jahren machen sich Menschen die Kraft des Wassers zunutze. Bereits 3.500 v. Chr. liefen in Mesopotamien Wasserräder. Sie setzten die Bewegungsenergie des Wassers in Arbeitsenergie um, insbesondere zum Antrieb von Mühlen.

An die Stelle des sich gemächlich drehenden Wasserrads („Es klappert die Mühle am rauschenden Bach …“) ist heute die schnell laufende Turbine getreten. Dabei wird die mit Wasser erzeugte mechanische Energie über einen Generator in elektrische Energie umgewandelt. So wird aus der Kraft des Wassers Strom. Viele sprechen von „weißer Energie“, denn bei der Erzeugung entstehen keine Emissionen.

Weltweit gewinnt man fast ein Fünftel des Bedarfs an elektrischer Energie aus Wasserkraft. In Europa bestehen zwischen den einzelnen Ländern große Unterschiede: Norwegen etwa deckt fast 100 Prozent seines Strombedarfs mit Wasserkraft, in den Niederlanden spielt diese Energieform eine untergeordnete Rolle. Mit am höchsten ist der Anteil in den Alpenländern: Österreich und die Schweiz decken über die Hälfte ihres Strombedarfs mit Wasserkraft. In Deutschland beträgt der Anteil der Wasserkraft zur Stromerzeugung etwa fünf Prozent.

Strom aus Wasserkraft lässt sich in unterschiedlicher Weise gewinnen. In Deutschland entfällt der größte Teil der „weißen“ Stromerzeugung auf Laufwasser-Kraftwerke an den süddeutschen Flüssen. Das durchlaufende Flusswasser treibt die Turbinen an. Anders die Speicherwasser-Kraftwerke: Hier wird das Wasser in einem höher gelegenen Stausee gespeichert und dann über eine steile Druckrohrleitung dem tiefer gelegenen Kraftwerk zugeführt. Eine dritte Variante sind Pumpspeicher-Kraftwerke. Sie haben keinen natürlichen Zufluss, sondern pumpen nachts mit günstigem Strom Wasser in ein höher gelegenes Becken und nutzen es dann tagsüber zur Erzeugung des wertvolleren Spitzenstroms.

Pumpspeicher-Kraftwerke haben einen großen Vorteil: Man kann die durchlaufende Wassermenge und damit die Leistung steuern. Solche Kraftwerke lassen sich also bedarfsorientiert nutzen – im Gegensatz etwa zu einem Kernkraftwerk, das bei wirtschaftlicher Betriebsweise rund um die Uhr eine gleichbleibend hohe Leistung bringen soll. Damit eignen sich Pumpspeicher-Kraftwerke ganz besonders dazu, Verbrauchsspitzen zu decken, also jenen zusätzlichen Strom zu liefern, der zu Zeiten des Spitzenverbrauchs (z. B. mittags) benötigt wird.

Die RhönEnergie Fulda kauft den größten Teil der von ihr verteilten Energie von Zulieferern. Einen kleinen Teil des Stroms erzeugt das Unternehmen aber selbst und nutzt dazu auch die Kraft des Wassers. So produzierte das Wasserkraftwerk am Haunestausee (betrieben von der Tochter RhönEnergie Erneuerbare GmbH) im Jahr 2016 rd. 174.000 Kilowattstunden (kWh). Das entspricht dem Verbrauch von rd. 50 Haushalten. Hinzu kommt die Energie der zahlreichen historischen Wasserräder, die Strom ins Netz der OsthessenNetz GmbH einspeisen. Insgesamt erzeugten die Wasserkraftanlagen im Gebiet der RhönEnergie Fulda-Gruppe im Jahre 2016 rund 6,8 Millionen kWh Strom (rd. 1.940 Haushalte).

Wasser schenkt auch Freude

Doch hat Wasser nicht nur physikalisch betrachtet Kraft. Wasserflächen können auch im übertragenen Sinne aufladen. Immer schon haben sich Menschen zu Flüssen, Seen und dem Meer hingezogen gefühlt. Der Blick auf das Wasser inspiriert und schenkt damit indirekt Kraft. Zusätzlich bieten Gewässer viele Freizeitmöglichkeiten. Unsere naturnahen heimischen Flüsse – Fulda, Haune, Fliede, Kinzig usw. – aber auch der Guckaisee und der Haunestausee tragen in der Region zur Lebensqualität bei.

Strom aus historischen Mühlen der Region

Neben großen Wasserkraftwerken mit riesigen Turbinen gibt es auch heute noch Mühlen mit historischen Mühlrädern. Im Netzgebiet der RhönEnergie Fulda-Gruppe erzeugen mehrere Dutzend nostalgische Mühlräder Strom. Indem sie diese regenerative Energie abnimmt und den Betreibern vergütet, trägt die zuständige OsthessenNetz GmbH dazu bei, die historischen Mühlräder – und damit regionales Kulturgut – zu erhalten. Denkmalpflege mit Klimaschutz-Effekt.

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