Kontrolle aus der Luft: Mit dem Helikopter über die Rhön

In einer routinemäßigen Leitungsbefliegung kontrollierte die OsthessenNetz GmbH, eine Tochter der RhönEnergie Fulda, erneut die Stromleitungen im Netzgebiet. Per Helikopter wurden rund 520 Kilometer Mittelspannungs-Freileitungen auf mögliche Schäden überprüft.

Es ist ein eisiger Novembertag in Hettenhausen, einem kleinen Ort in der osthessischen Rhön. Auf dem Gelände des „Servicecenter Netz Ost“ der OsthessenNetz GmbH herrscht reger Betrieb. Laute Rotorengeräusche ertönen vom Himmel, dann landet der gelbe Helikopter. Rasch wird der Schlauch eines bereitstehenden Tankwagens angeschlossen. Für den bevorstehenden Flug braucht die Maschine viel Sprit.

Die OsthessenNetz GmbH koordiniert in den Novembertagen dieses Jahres eine umfangreiche Leitungsbefliegung. Im Auftrag der RhönEnergie Fulda GmbH kontrolliert der Netzbetreiber die Stromleitungen – aus der Luft. Insgesamt sollen rund 520 Kilometer Mittelspannungs-Freileitungen und mehrere Tausend Masten auf mögliche Schäden überprüft werden. Die Helix Fluggesellschaft mbH wurde hierfür engagiert. Knapp zwei Wochen lang soll sie – begleitet von Mitarbeitern der OsthessenNetz – zahlreiche Flüge übernehmen.

Während der Airbus Helicopter AS 350 „Ecurieul“ vollgetankt wird, bespricht die Crew noch einmal die heutige Flugroute. Pilot Achim Widmann und der Protokoll führende Beobachter David Wolff halten letzte Rücksprache mit Matthias Hofmann vom Technischen Betrieb der OsthessenNetz GmbH.

Um kurz vor zwei Uhr gehen wir an Bord. Die geräumige Maschine bietet Platz für sechs Personen: zwei vorne, vier hinten. Sicherheitsgurte werden angelegt, Ohrenschützer mit eingebautem Headset aufgesetzt. Dann geht es los. Unter anhaltendem Dröhnen hebt der Hubschrauber ab und gewinnt rasch an Höhe.

Die Leitungen sind zum Greifen nah

Ein Helikopter AS 350 B3 kann Höhen von über 15.000 Metern erreichen. Während der Leitungsbefliegung schwebt der Hubschrauber jedoch zumeist in nur sieben bis zehn Metern Höhe – unmittelbar über den Stromleitungen. Genau nach Flugplan und mit hoher Präzision gleiten wir über die Leitungen. Die Geschwindigkeit liegt dabei zwischen zehn und 15 km/h. Durch die großflächigen Panoramafenster erkennt Matthias Hofmann von der OsthessenNetz jeden potenziellen Schaden: „Hauptsächlich schauen wir nach Überspannungsschäden durch Gewitter. Die Leitungen, Masten und Isolatoren sind ja ständig Wind und Wetter ausgesetzt. Typisch sind Schäden durch Funkenentladungen. Auch kann der Anstrich an Masten und Isolatoren abgeplatzt sein. Spechte beschädigen das Holz der Masten. Außerdem vermerken wir, wenn Bäume zu dicht an die Leitungen geraten.“

Die Kontrollen gehen dabei rasch und routiniert vonstatten. Der geübte Blick Hofmanns erkennt sofort, wenn etwas nicht stimmt. Protokollant David Wolff vermerkt alles in seinen Listen. Auffällig ist, wie wenig Schäden wir bei unserer Befliegung verzeichnen. „In Ordnung, in Ordnung, okay, alles in Ordnung“, wiederholt Hofmann mantraartig. Nur hin und wieder muss übermäßiger Bewuchs notiert werden. „Da müssen wir mit der Säge ran“, erklärt Hofmann.

Vorteil Vogelperspektive

Etwa ein Drittel des Mittelspannungsnetzes der OsthessenNetz GmbH besteht noch aus Freileitungen, der Rest ist erdverkabelt. Eine Kontrolle der Stromleitungen aus der Luft ist dabei gesetzlich nicht vorgeschrieben. Dennoch lohnt sich die freiwillige Anstrengung, da viele Schäden im Flug deutlich besser erkennbar sind als vom Boden aus. „Die OsthessenNetz setzt seit 20 Jahren auf Leitungsbefliegungen mit dem Hubschrauber“, sagt Hofmann. „Im jährlichen Wechsel kontrollieren wir das Stromnetz aus der Luft und vom Boden aus. 2017 steht also eine Leitungsbegehung auf dem Plan. Alle Auffälligkeiten werden genau festgehalten und dann von unseren Monteuren schnell behoben. So garantieren wir die Versorgungssicherheit.“

Ist ein Bereich abgearbeitet, nehmen wir wieder Höhe auf und fliegen mit deutlich zügigerem Tempo zum nächsten Abschnitt. „Im normalen Reiseflug kann die Maschine über 220 km/h erreichen“, erklärt Pilot Widman. Man spürt dann einen deutlichen Luftzug und die Temperatur fällt merklich ab – besonders an einem kalten Tag wie diesem. In der Rhön hat es geschneit. So liegen unter uns schneeweiße Wiesen, als wäre es mitten im Winter. „Ein Café mit einer heißen Schokolade wäre jetzt toll“, scherzt Wolff. „Wird hier schwierig“, entgegnet Hofmann trocken.

Die Sicht in die Ferne ist an diesem Tag von Nebel eingeschränkt. Der Horizont verschwindet in weißen Wolkenwänden. „Wenn es noch mehr zuzieht, ist Feierabend – aber eine gute Stunde haben wir noch“, schätzt der Pilot. „Dann ist wieder alles dicht. Wenn die weiße Wand kommt, müssen wir abbrechen.“

Kurz bevor wir die nächste Leitung erreicht haben, drosselt Widmann die Geschwindigkeit und es geht wieder hinab. Nähert sich der Helikopter dabei den Baumkronen, wirbelt er einen Reigen tanzenden Herbstlaubs durch die Luft. Die Rhöner Tierwelt reagiert unterschiedlich auf den Hubschrauber: Während Kühe, Pferde und Rehe versuchen, sich in Sicherheit zu bringen, grast eine Herde Rhönschafe seelenruhig weiter und ignoriert uns völlig. „Dort hinten hält ein Rotmilan Wache“, ruft Hofmann und deutet auf einen hohen Strommast. Bis zuletzt trotzt der stoische „Wächter“ dem Hubschrauber, dann fliegt er schließlich davon.

Erfolgreicher Kontrolltag

Im Verlauf unseres Kontrollflugs bessert sich das Wetter zusehends. Gegen Viertel nach drei hat sich der Nebel doch noch verzogen. Die angekündigte Regenfront bleibt aus. Sogar die Sonne zeigt sich erstmals an diesem Tag. „Die Wolkendecke hat sich gehoben. Jemand war gnädig zu uns. Da haben wir doch noch wirklich Glück mit dem Wetter“, kommentiert Pilot Widmann. „Sag das nicht zu früh“, warnt Beobachter Wolff mit einem Lächeln.

Spontan entscheidet sich die Crew dafür, den unerwarteten Wetterumschwung auszunutzen. Der Sprit reicht noch für eine weitere Stunde. So fliegen wir bis nach Eichenzell und David Wolff kann viele weitere Leitungsabschnitte auf seiner Liste abhaken. Das leise gedämpfte dumpfe Rauschen unter den Ohrschützern ist mittlerweile zum vertrauten Hintergrundgeräusch geworden. Bis auf gelegentliches Rumpeln ist der Flug erstaunlich sanft, geradezu entspannend. Lediglich in den teils scharfen Kurven, die der wendige Hubschrauber mit Leichtigkeit macht, sollte man flugfest sein.

Gegen halb fünf setzen wir schließlich zur Landung an – dort wo vor ein paar Stunden alles begonnen hat: in Hettenhausen. Pilot Widmann – seit knapp 40 Jahren in der Luft – beweist erneut sein Können, als die Maschine kaum spürbar auf dem Gelände des „Servicecenter Netz Ost“ aufsetzt.

Wir steigen aus. Widmann, Wolff und Hofmann beugen sich noch einmal über die Flugkarten und besprechen kurz die morgige Route. Dann sichert Wolff den Helikopter. Am nächsten Tag wird es weitergehen, bis jeder Zentimeter des Stromnetzes kontrolliert ist.

www.osthessennetz.de

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